Leben und Wirken

Karl Richters Leben und Wirken, von Roland Wörner



Roland Wörner

Karl Richters geistige Welt wurzelte in der klassischen musikalischen, theologischen und humanistischen Bildung, die er als Spross einer sächsischen Kantoren- und Pastorenfamilie, als Schüler des berühmten Dresdner Kreuz-Alumnats und der bedeutendsten evangelischen Kirchenmusiker seiner Jugendzeit, Rudolf Mauersberger in Dresden sowie Karl Straube und Günther Ramin in Leipzig, schließlich als Student an der von Felix Mendelssohn Bartholdy gegründeten Musikhochschule in Leipzig, aus berufensten Händen empfing.

Karl Richter wurde am 15. Oktober 1926 als viertes von fünf Kindern des Pfarrers Dr. Christian Johannes Richter und Clara Hedwig Richter in Plauen im Vogtland geboren. Zwei Jahre später übersiedelte die Familie nach Marienberg im Erzgebirge, wo der Vater das Amt des Superintendenten antrat. Bereits in Marienberg und vor allem später in Freiberg in Sachsen, wohin die Mutter mit den Kindern nach des Vaters frühem Herztod im Jahre 1935 übersiedelte, wurde der kleine Karl von der Sphäre der Kirchenmusik und des Orgelspiels geprägt. Im Freiberger Dom, einer der schönsten gotischen Kirchen Deutschlands, hatte er Gelegenheit, auf der großen Orgel von Gottfried Silbermann zu üben, außerdem sang er dort in der Kurrende. 1937 trat Karl auf eigenen Wunsch ins Kreuzgymnasium in Dresden ein und wurde Mitglied im berühmten Kreuzchor, den Kreuzkantor Rudolf Mauersberger leitete. 1940 nahm der inzwischen in den Ruhestand getretene vormalige Thomaskantor Karl Straube in Leipzig den hochbegabten Karl Richter als seinen letzten Schüler an. Die Jahre des Lernens und erster musikalischer Aufgaben als Organist und Dirigent wurden 1943 durch die Einberufung zum Militär jäh unterbrochen. Ein Jahr später erlag die Mutter einem Herzversagen. Erst 1946 konnte Karl Richter nach Kriegsdienst und Gefangenschaft seine musikalische Ausbildung mit dem Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Leipzig wieder aufnehmen, wo ihm Karl Straube und der nun amtierende Thomaskantor Günther Ramin die große deutsche Tradition der Bach-Interpretation vermittelten. 

Die frühe steile Karriere Karl Richters begann unmittelbar nach dem Staatsexamen, das er mit höchsten Auszeichnungen ablegte, mit der Ernennung zum Organisten an der Thomaskirche zu Leipzig und als Lehrer für Orgelspiel an seiner bisherigen Ausbildungsstätte im Jahr 1949. Als er beim Üben Zeuge der Überführung der Gebeine Johann Sebastian Bachs in die Thomaskirche wurde, bereitete er dem großen Thomaskantor mit Präludium und Fuge Es-Dur einen festlichen Empfang. Erste künstlerische Erfolge im In- und Ausland brachte für Karl Richter das Bach-Jahr 1950. Neben zahlreichen musikalischen Aufgaben als Cembalist und Organist, für die er den Nationalpreis der DDR erhielt, errang er auch Preise beim Bach-Wettbewerb in Leipzig und beim Concours International in Genf. In diesem Jahr entstanden auch die frühesten Orgel- und Cembaloaufnahmen beim Mitteldeutschen Rundfunk in Leipzig.

Schon in Kindheit und Jugend hatte Karl Richter die allgegenwärtige Einflussnahme des nationalsozialistischen Regimes als bedrückend empfunden; um so mehr musste die Fortsetzung politischer Indoktrination, staatlicher Bevormundung und Bespitzelung, nunmehr unter den umgekehrten Vorzeichen der neu entstandenen DDR, dem aufstrebenden jungen Musiker als Einschränkung seiner persönlichen und künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten erscheinen. 1950 hatte Richter auf einer Konzertreise des Thomanerchores Leipzig unter der Leitung von Günther Ramin nach Süddeutschland und in die Schweiz, bei der er als Thomasorganist mitzuwirken hatte, in Zürich seine spätere Ehefrau Gladys, geborene Müller, kennengelernt. So fiel es ihm wohl nicht schwer, Leipzig und der DDR den Rücken zu kehren. Mit einem kleinen Koffer, der die notwendigsten Dinge enthielt, immer in Sorge, dem Grenzpersonal könne irgend etwas verdächtig erscheinen, fuhr er im April 1951 mit der Bahn nach Berlin, um von da in den Westen zu gehen. Zunächst übersiedelte er nach Zürich, um sich von dort aus nach einer neuen Wirkungsstätte in Westdeutschland umzusehen. Bereits im Herbst dieses Jahres konnte er auf Vermittlung von Günther Ramin am Probespiel für das freie Kantorat an der Markuskirche in München teilnehmen. Im Oktober wurde Karl Richter als Kantor an die Markuskirche berufen, gleichzeitig übernahm er eine Verpflichtung als Lehrer für Orgelspiel und evangelische Kirchenmusik sowie als Leiter des Hochschulchores an der Musikhochschule in München. Im Juni 1952 heirateten Karl Richter und Gladys Müller in Zürich; das junge Ehepaar nahm in München Wohnung. Im April 1953 wurde der Sohn Tobias, im November 1961 die Tochter Simone geboren. 1967 übersiedelte die Familie in die Schweiz, wo sie schließlich 1970 ein über dem Zürichsee gelegenes eigenes Haus bezog.

München aber blieb für nahezu drei Jahrzehnte der Mittelpunkt in Karl Richters künstlerischem Schaffen. Seinem Wirken war es zu danken, dass aus der Wagner- und Strauss-Stadt in gleichem Maße eine Bach-Stadt wurde, deren Ruf sich in kurzer Zeit weltweit ausbreitete. An St. Markus hatte Richter von seinem Vorgänger den Heinrich-Schütz-Kreis übernommen. Nach ersten Schallplattenaufnahmen als Cembalist in Fritz Lehmanns Einspielung der Concerti grossi op. 6 von Georg Friedrich Händel für die Archiv Produktion der Deutschen Grammophon Gesellschaft im Jahr 1952 folgte bereits ein Jahr später die erste eigenverantwortliche Schallplattenaufnahme Karl Richters, Heinrich Schütz’s Musikalische Exequien, mit dem Heinrich-Schütz-Kreis. Dieses kleine Ensemble formte Richter binnen weniger Jahre zu einem der besten Oratorienchöre seiner Zeit, der sich mit jugendlichem Elan, klanglicher Strahlkraft und sensibler Aufmerksamkeit die Berechtigung erwarb, die großen Werke Johann Sebastian Bachs zum Zentrum seiner Arbeit zu machen. Es war nur folgerichtig, dass der Chor 1954 den neuen Namen Münchener Bach-Chor erhielt.

Für eine schwerwiegende Entscheidung, die Karl Richter zu treffen hatte, trat aber Leipzig noch einmal für kurze Zeit in seinen Gesichtskreis. Am 27. Februar 1956 war Thomaskantor Günther Ramin verstorben und in Leipzig hielt man Karl Richter für den einzig legitimen Nachfolger. Am Karfreitag desselben Jahres überbrachte ihm eine zweiköpfige Abordnung aus Leipzig und Berlin das offizielle Angebot, das verwaiste Kantorat an der Leipziger Thomaskirche, das höchste Amt, das die protestantische Kirchenmusik zu vergeben hat, zu übernehmen. Richter erbat sich Bedenkzeit, um dann jedoch Anfang Mai abzusagen: Er fühle sich mit noch nicht dreißig Jahren zu jung, um die volle Bürde dieses Amtes zu tragen, besonders im Hinblick auf die organisatorischen und pädagogischen Aufgaben, die neben den künstlerischen und kirchlichen damit verbunden seien. In einem Zeitungsinterview nannte Richter aber auch noch andere Beweggründe für seinen Verzicht: „Ich habe seit viereinhalb Jahren in München einen Wirkungskreis gefunden, den ich nur ungern so früh schon aufgeben würde. Ich habe mir eine Aufgabe gestellt, von der ich glaube, dass sie für die Kirchenmusik in Deutschland bedeutungsvoll ist: das gesamte Werk Johann Sebastian Bachs - Kantaten, Motetten, Oratorien - im Zyklus zu musizieren.“ Und zuvor an anderer Stelle: „Das (die Berufung nach Leipzig) ist wie ein Angebot auf einen Königsstuhl. Aber in München wird der Chor kaputtgehen. Mir fällt die Entscheidung sehr schwer.“

Zusammen mit dem aus Mitgliedern der großen Münchner Orchester besetzten Münchener Bach-Orchester hatte sich Karl Richter zwei ideale Klangkörper für seine Interpretationen geschaffen. Die Mitwirkenden beider Ensembles waren zutiefst auf seine Arbeitsweise, besonders die spontanen musikalischen Wandlungen, und seine klanglichen Vorstellungen eingeschworen, ja, Richter durfte erwarten, dass seine Musiker im Konzert ohne verbale Verständigung „erfühlten“, was er, etwa bei der Orgelregistrierung, im schöpferischen Augenblick wünschte. Das Gesamtwerk Johann Sebastian Bachs stand von Anfang bis Ende im Zentrum von Richters Arbeit; die Passionen, die Hohe Messe, das Weihnachtsoratorium, die Ouvertüren und Konzerte, die Orgelwerke wurden in den Münchner Konzertprogrammen, ab 1965 auch beim eigenen „Münchener Bachfest“ alljährlich auf den Prüfstand neuer künstlerischer Standortbestimmung gestellt. Dass Karl Richter aber bis heute als Spezialist für das hochbarocke Repertoire gilt, in dem neben Bach allenfalls noch Georg Friedrich Händel erscheint, ist eher die Folge einer unglücklichen Marktpolitik der großen Schallplattenfirmen, die in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre Vertragskünstler zu Spezialisten für ein bestimmtes Repertoire aufbauten, als dass es den breiten musikalischen Interessen Karl Richters gerecht geworden wäre. Denn auch die großen Vokalwerke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Anton Bruckner, Antonin Dvorak und Max Reger gehörten zum Kernrepertoire des Münchener Bach-Chores, das regelmäßig aufgeführt wurde. Daneben pflegte Richter in den Münchener Abendmusiken an der Markuskirche die a cappella-Literatur alter und neuer Meister. Neben den Motetten Johann Sebastian Bachs führte er vor allem Motetten von Heinrich Schütz und seinen Zeitgenossen, mit denen er seit seiner Dresdner Zeit vertraut war, sowie die Motetten Max Regers auf, die ihm neben dessen Orgelwerken Karl Straube vermittelt hatte, der mit Reger befreundet und selbst ein bedeutender Reger-Interpret gewesen war.

„Weitsprung von der Orgelbank“ war eine frühe Münchner Konzertkritik über Karl Richters Aufführung von Bruckners 8. Sinfonie mit dem Bayerischen Staatsorchester überschrieben. Im übertragenen Sinn barg diese Formulierung einen wahren Kern. Kaum je hatte sich bis dahin ein Kirchenmusiker musikalisch so weit von seinem angestammten Platz an der Orgel entfernt. Karl Richter wurde binnen weniger Jahre zum gefragten Gastdirigenten vieler Chöre und Orchester, ja sogar mehrerer Opernhäuser im In- und Ausland, kontinuierlich erweiterte er sein Repertoire auf den Gebieten der Vokalmusik, Sinfonik und Oper. Früh schon führten Konzertreisen Karl Richter als Solist und zusammen mit seinen Ensembles in viele europäische Länder, später auch nach Nord- und Südamerika, in die ehemalige Sowjetunion und nach Japan. Die ungekürzten Aufführungen der Bachschen Passionen in den beiden letztgenannten Ländern waren Meilensteine im internationalen Kulturaustausch. Angesehene Konzertreihen rechneten sich Auftritte der Münchner zur Ehre an. Regelmäßig traten sie im Sommer bei der „Bachwoche Ansbach“, bei den Konzerten im Stift Ottobeuren und, meist in der Vorweihnachtszeit, im Großen Festspielhaus oder im Mozarteum in Salzburg auf. Seit 1963 war Richter ständiger Gastdirigent der Wiener Symphoniker und des Wiener Singvereins, mit denen er Bachs Passionen, aber auch andere Werke der oratorischen und sinfonischen Literatur aufführte. Später verpflichteten ihn auch die Wiener Philharmoniker regelmäßig zu Konzerten. Bereits 1962 begannen Karl Richters alljährliche Auftritte am Teatro Colon in Buenos Aires. Hier gab Richter Konzerte mit einheimischen Chören und dem Orchester des Teatro Colon, die seinem angestammten oratorischen Repertoire gewidmet waren; hier konnte er auch szenische Produktionen der Opern „Giulio Cesare“ und „Serse“ von Georg Friedrich Händel als Dirigent realisieren. Im Orchestergraben vor der Opernbühne erlebte man Karl Richter weiters in Genf mit Händels „Belshazzar“ und Mozarts Urfassung des „Idomeneo“ sowie am Münchner Nationaltheater mit Christoph Willibald Glucks „Iphigenie in Tauris“.

Wie erwähnt, begann Richters Arbeit für die Schallplatte fast gleichzeitig mit seinem Münchner Wirken. Zu Anfang gab es parallel Verträge mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft und der Teldec, die Richters Aufnahmen unter ihrem Label Telefunken in Deutschland und unter dem Label Decca im englischsprachigen Raum verbreitete. Für die Archiv Produktion der Deutschen Grammophon gelangen Karl Richter maßstabsetzende Aufnahmen der Werke Johann Sebastian Bachs, die mit vielen Preisen ausgezeichnet wurden und jahrzehntelang Verkaufsschlager der Plattenfirma waren. In den siebziger Jahren spielte Richter einen repräsentativen Zyklus von 75 Bach-Kantaten für alle Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres ein. Richters Aufnahmen sind seit Jahrzehnten in den Katalogen präsent und sorgen bis heute für reichen Diskussionsstoff. Eine zweite Produktion der Matthäus-Passion von Bach, ehrfurchtgebietend in ihrer Vision großräumiger musikalischer Architektur und Zeitverläufe, bewegend in der aus lebenslanger Erfahrung gespeisten Sorgfalt für jedes Detail der Komposition und der geistigen Aussage, wurde 1979 zum jähen, unerwarteten Schlusspunkt in Karl Richters „Versuch einer Übersetzung der anderen großen Aeneis, der von Johann Sebastian Bach, in seine Sprache“ (Aurèle Nicolet).

Angesprochen auf das kräftezehrende Arbeitspensum, das sich Karl Richter selbst auferlegte, konnte er antworten „Meine Zeit ist jetzt“ oder gar „Wir Richter werden nicht alt“. Er lebte und arbeitete im Bewusstsein der Endlichkeit der Zeit. Fast auf den Tag genau zehn Jahre vor seinem Tod erlitt er einen ersten Herzinfarkt, von dem er sich wieder erholte. In den folgenden Jahren stellten sich zudem Probleme mit dem Augenlicht ein. In einer fast panischen Furcht „vor dem Tag ohne Licht“ lernte er Partituren auswendig; doch nicht nur auswendig wollte er nun Musik machen, sondern in einem höheren Sinne „par coeur - mit dem Herzen“. Mitten in den Vorbereitungen für eine neue Japan-Tournee, die im Mai 1981 dreizehn Auftritte mit vier verschiedenen Konzertprogrammen in Tokio und acht weiteren Städten bringen sollte, starb Karl Richter am 15. Februar 1981 in einem Münchner Hotel an einem neuerlichen Herzinfarkt. Mit der Bach-Motette „Fürchte dich nicht“ nahm der Münchener Bach-Chor bei der Trauerfeier in der Markuskirche nach fast dreißig Jahren gemeinsamer Arbeit Abschied von seinem Dirigenten. Karl Richter wurde am 23. Februar 1981 auf dem Friedhof Enzenbühl in Zürich beigesetzt. Am 3. Mai 1981 dirigierte Leonard Bernstein, mit dem Karl Richter eine tiefe Künstlerfreundschaft verbunden hatte, im Herkulessaal der Münchner Residenz den Münchener Bach-Chor und das Münchener Bach-Orchester in einem Konzert mit Werken von Johann Sebastian Bach „in memoriam Karl Richter“.




Karl Richters Life & Work by Roland Wörner



Roland Wörner

Translation:
by Maureen Aldenhoff

from the DVD Booklet:

Karl Richter’s intellectual work had it’s roots in the classical, musical theological and humanitarian education he received as the offspring of a Saxon choirmaster, organist and clergyman; and as a pupil of the famous Rudolf Mauersberger, one of the most important composers of Evangelical church music at the “Kreuzalumnat”, a famous boarding school in Dresden in, as well as being a pupil of both Karl Straube and Günther Ramin in Leipzig. Last but not least he was a student at the Felix Mendelssohn Bartholdy School. A school founded by the Master himself.

Karl Richter was born on 15th October 1926 as the fourth of five children to Dr. Christian Johannes Richter and Clara Hedwig Richter in Plauen in Vogtland. Two years later the family moved to Marienberg in the “Erzgebirge”, where the father took over the position of Superintendent. In Marienberg and later on in Freiberg in Saxony, where Karl’s mother had moved to after the early death of his father due to heart failure. Karl was greatly influenced by church and organ music. In Freiberg’s Cathedral, one of the most beautiful gothic cathedrals in the whole of Germany, he had the opportunity to practice on Gottfried Silbermanns monumental organ and of being able to sing in the Kurrende. In 1937 at his own wish, he started school at the “Kreuzgymnasium” (School of the Holy Cross) in Dresden and became a member of the famous “Kreuzchor” under the direction of Rudolf Mauersberger. In 1940 Karl Straube, former retired “Thomaskantor” took the highly talented Karl Richter as his last pupil. The years of learning and the first musical assignments as organist and conductor were abruptly interrupted by Richter’s military conscription. One year later his mother died of heart failure. In 1946 after finishing his military service and a period of imprisonment as a prisoner-of-war, Karl Richter was able to take up his studies again at the State Academy for Music in Leipzig, where Karl Straube and Günther Ramin, at that time Thomascantor, introduced him to the great German tradition of Bach interpretation.

After passing his final state examination with the highest awards ever, his career started a steep climb when in1949 he was appointed organist in the Thomaskirche in Leipzig and teacher for organ music in the school where he himself had once been a pupil. When, in the course of his organ practice he became witness to the transfer of Johann Sebastian Bach’s bones to their last place of rest in the “Thomaskirche”, Richter prepared the great Prelude and Fugue in E-flat as a worthy reception for the great Thomascantor. Karl Richter’s success at home and abroad was achieved in the Bach year of 1950. Apart from numerous musical assignments as cembalist and organist, for which he was awarded the GDR National Prize, he also won prizes at the Bach Competition in Leipzig and at the Concours International in Geneva. It was in this year that the earliest organ and cembalo recordings were made at the MDR Radio Studios in Leipzig.


Karl Richter had as a child experienced the ever-present, oppressive influence of the National Socialist Regime and later the even more oppressive political indoctrination that followed in the newly-founded DDR that must have seemed for the young ambitious musician like a personally aimed restriction of his artistic development. In 1950, during a concert tour in southern Germany and Switzerland with the Thomas choir of Leipzig, under the direction of Günther Ramin, with Karl Richter as organist, he met Gladys Müller, who was later to become his wife; and so it was probably not difficult for him to turn his back on the DDR, and with just a small suitcase holding the barest of necessities, always afraid that the boundary officials could become suspicious, he travelled in April 1951 with the train to Berlin, from there to Zurich and finally to Western Germany to look for a new field of activity. In the autumn of the same year, thanks to the intervention of Günther Ramin he was able to take part in an audition which secured him the appointment to Cantor at the Markuskirche in Munich. At the same time he was engaged as a teacher of organ music and Evangelical church music as well as being appointed Director of the choir belonging to the High school for Music in Munich. In June 1952 Karl Richter and Gladys Mueller were married in Zurich. The young couple moved to Munich. In April 1953 their son Tobias was born and in November1961 their daughter Simone. In 1967 the family moved to Switzerland in 1970 they into a house of their own high above Lake Zurich.

Munich however, was to remain for more than thirty years, the centre of Karl Richter’s artistic creativity. It was thanks to him that out of the Wagner and Strauss metropolis, an equally important Bach metropolis was created, achieving a worldwide reputation in the shortest of time. At the Markuskirche Richter had taken over the “Heinrich-Schütz-Kreis”. In 1951 the first gramophone records with Richter as cembalist in the Fritz Lehman interpretations of the “Concerti grossi“ opus 6 from G. F. Handel were made for the Archive Production of the German Gramophone Society. In 1952 only one year later, Karl Richter’s first independent recordings: the Heinrich Schütz Musical Obsequies, with the Heinrich-Schütz-Circle, a small ensemble which was formed by Richter into one of the best oratory choirs of its time, a choir, full of youthful zest, radiating both a resonant power and sensitive awareness of Bach’s music. It was this ensemble that was then awarded the right to make the great works of J. S. Bach its central theme; and so it was only fitting that in 1954, the choir was given the title “The Munich Bach Choir”.

On the 27 February 1956 Guenther Ramin passed away. His death gave rise to a difficult decision that Karl Richter had to make concerning Leipzig and the role it was to play in his future career. It was thought in Leipzig that only Karl Richter was acceptable as the legitimate successor to Ramin. On Good Friday of the same year a double delegation from Leipzig and Berlin brought him the official offer of taking over the position of Cantor at the Thomaskirche in Leipzig, the highest musical office that can be attained in the Protestant Church. Richter asked for time to think the decision over. Then at the beginning of May he turned the offer down. He felt he was thirty years too young to take on the burden of this responsible position; especially when taking into consideration the organization and educational duties attached to the artistic and ecclesiastical responsibilities. In a newspaper interview Richter named the reasons for his refusal. “For the last four years in Munich I have found a sphere of activity that I am not willing to relinquish so soon again. I have set myself a task which I fully believe is of tremendous importance for sacral music in Germany and that is to play the complete works of Johann Sebastian Bach, his Cantatas, Motets and Oratorios on a cyclical basis. The appointment in Leipzig is like being offered a king’s throne, but my choir in Munich would break up. The decision is a very difficult one for me to make.”

Karl Richter had formed the Bach Orchestra with members of the bigger Munich Orchestra. Thus creating two ideal bodies of sound for his interpretations. The ensembles were more than used to his way of working, especially to his musical spontaneity and tonal conception. Because of this, Richter could expect his musicians, during a concert to anticipate what was expected of them without any verbal communication. The complete works of J. S. Bach stood, from start to finish, as the very centre of Richter’s work. The Passions, the high Mass, the Christmas Oratorio, the Overtures, Concerts and Organ pieces were all included in the Munich Concert Programme, and as of 1965 in the yearly Bach Festival in Munich. This Festival was a testing ground for new artistic orientation. That Karl Richter is known up until this day as a specialist for high Baroque repertoires in which, apart from Bach at the most only George Friedrich Handel was featured was due to an unhappy marketing policy of the big Gramophone companies, who in the sixties and seventies of the last century presented their artists under contract, such as Karl Richter, as specialists of a particular Repertoire rather than rightly presenting the wide scope of their musical interests. The great vocal works of Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Anton Bruckner, Anton Dvorak and Max Reger belonged to the kern repertoire regularly performed by the Munich Bach Choir. Apart from that Richter used to feature old and modern masters of a capella literature in the Evensong services in the St Markuskirche in Munich. Besides the Motets from Johann Sebastian Bach Richter also featured Motets from Heinrich Schütz and his contemporaries; something he was familiar with from his time spent in Dresden together with Motets and Organ music from Max Reger which he had become acquainted with through Karl Straube who was both a friend and important interpreter of Reger’s music.

“A long jump from the organ bench”, that was how a music critic in Munich described Richter’s performance of Bruckner’s 8 Symphony with the Bavarian State Orchestra. In the figurative sense this remark held a core of truth, because hardly any other church musician had up until then moved so far away from his traditional place at the organ. Within only a few years, Karl Richter had become one of the most sought after guest conductors by many choirs and orchestras, even Opera houses at home and abroad. He continually expanded his Repertoire to include vocal music, symphonies and opera. From the very beginning Karl Richter had gone on concert tours as a soloist with his ensembles in many European countries; later on he travelled to North and South America, to the former Soviet Union and to Japan. The unabridged performances of Bach’s Passion in the last-named countries were milestones in the realm of international cultural exchange. A whole row of distinguished Concert events were honoured to have Karl Richter as a guest, He appeared regularly in summer at the “Bach Woche” in Ansbach, at the concerts held at Stift Ottobeuren and for the Christmas time vespers in the grand Festival hall or in the “Mozarteum” in Salzburg. From 1963 onwards he was a regular guest-Conductor of the Vienna Symphony Orchestra and the Vienna Choir Association, with whom he performed not only the Bach Passion but other works of oratorical and symphonic literature. Later on he regularly took part in concerts with the Vienna Symphony Orchestra. As early as 1962 Karl Richter began his annual appearances at the “Teatro Colon” in Buenos Aires, where he gave concerts with local choirs and the orchestra of the “Teatro Colon”, concerts that were dedicated to his traditional oratorical Repertoire and it was here that he could realise, as a Conductor, scenic productions of the operas, “Guilio Cesare” and “Xerxes” von George Friedrich Handel. In the orchestra pit in front of the opera stage in Geneva; Karl Richter conducted Handels “Belshazzar” and Mozart’s original arrangement of “Idomeneo” and last but not least Willibald Gluck’s “Iphigenie in Tauris” was put on stage at the Munich National Theatre.

As already mentioned Richter’s Gramophone career began almost at the same time as his Munich career did. In the beginning he held parallel contracts with the “Deutsche Gramophone Gesellschaft” and Teldec, who brought out Richter’s recordings under their Telefunken Label in Germany and under the Decca Label in English-speaking countries. With the archive production of the prize-winning recording of the complete works of Johann Sebastian Bach for the “Deutsche Gramophone”, a recording that remained a bestseller for over a decade, Karl Richter succeeded in setting unequalled standards. In the seventies Richter played a representative cycle of 75 Bach-Cantatas for each Sunday and Holyday in the church year. Richter’s recordings have been included in the Catalogue for the last decade and even today are cause for manifold discussions. A second production of Bach’s “Matthäus Passion”, awe-inspiring in it’s vision of spacious musical framework and timelessness, moving, in the painstaking attention to every detail of composition and statement, that only a lifetime of experience can make possible. This production set an unexpected and abrupt end to Karl Richter’s “Endeavour to translate the other great Aeneis, that of Johann Sebastian Bach in his language” (Aurèle Nicolet).

When asked about the energy-draining self-imposed burden of work he set himself, he would reply “My time is now”, or even “We Richters don’t grow old”. He lived and worked in the full awareness of how finite time is. Almost exactly to the day ten years before his death, he had suffered a heart attack, from which he had never really recovered. In the following years he also had trouble with his eyesight. In an almost panic-stricken fear of “days without light”, he started to memorize music scores, but he did not just want to play “off by heart”, he wanted to reach a higher sphere “par coeur- with his heart”. In the middle of the preparations for a new Japan Tour which in May 1981 was to be made up of thirteen appearances with four different Concert programmes in Tokyo and eight other towns, Karl Richter died of a heart attack on 15 February 1981 in an Hotel room in Munich. With the Bach-Motet “Fürchte dich nicht” (Have no Fear), the Bach Choir of Munich took leave of their conductor in the Markuskirche, a conductor they had known and worked together with for over thirty years. On 23 February 1981 Karl Richter was laid to rest in Enzenbühl in Zurich. On 3 May 1981, he Bach Choir and Orchestra under the direction of Leonard Bernstein, with whom Karl Richter had shared a deep friendship, gave a concert “in memory of Karl Richter”, featuring works of J. S. Bach in the Hercules Hall of the Munich residence.


Text from the DVD Booklet
Karl Richter in München 1951 - 1981
Part 1:
Solisten • Konzerte • Tourneen
by Johannes Martin

2006, Double-DVD, Running time 135 min.
EAN 9783000192777

Published in 2007
Part 2: Bach-Choir and Bach Orchestra
DVD, running time 92 minutes (German/ English)
ISBN 978-3-00-020726-6 - Released March 2007

Part 3: Fascination and Interpretation
DVD, running time 92 minutes (German/ English)
ISBN 978-3-00-022647-2 - Released November 2007

Information about the Karl Richter Project and Archive at

Karl Richter Munich Weblog