Bisher erschienen:

Das Vorwort zu Band 1 der Karl Richter Zeitdokumente

Das Vorwort zu Band 2 der Karl Richter Zeitdokumente

Das Vorwort zu Band 3 der Karl Richter Zeitdokumente

Das Vorwort zu Band 4 der Karl Richter Zeitdokumente

Das Vorwort zu Band 5 der Karl Richter Zeitdokumente
Karl Richters Wirken in Ansbach
Um allen interessierten Musikkennern und -liebhabern die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Bild von Karl Richters Wirken in Ansbach zu machen, veröffentlichen wir hier alle Dokumente und Fotos dieser Jahre, entnommen den ersten drei Bänden der Buchreihe "Karl Richter Zeitdokumente".
Band 1 (1951-1957) ISBN 978-3-00-032125-2, € 21,80 zzgl. Versandkosten
Band 2 (1958-1963) ISBN 978-3-00-032826-8, € 21,80 zzgl. Versandkosten
Band 3 (1964-1967) ISBN 978-3-00-034046-8, € 24,80 zzgl. Versandkosten
Erhältlich im gut sortierten Buchhandel, bei Amazon oder direkt über Conventus Musicus
(Tel. 09321-9243986)
Bachwoche Ansbach 1954

Dr. Carl Weymar, Kunsthändler aus München und selbst ein hervorragender Bratscher, hatte 1947 die Bachwoche ins Leben gerufen und bis 1965 selbst geleitet. 1954 hatte er erstmals Karl Richter zu zwei Konzerten nach Ansbach eingeladen, wo die namhaftesten Künstler aus aller Welt waren zu Gast waren. Das Programmheft führt fein säuberlich alle Mitwirkenden auf.


Karl Richter spielte am 31. Juli 1954 an der Orgel der St. Johanniskirche das Programm, mit dem er bereits in München und Utrecht erfolgreich gewesen war.


Karl Richter an der Orgel von St. Johannis

Karl Richter mit Yehudi Menuhin an der Orgel von St. Johannis
In der Matinee vom 31. Juli standen im Prunksaal des Markgrafenschlosses die Goldberg-Variationen auf dem Programm.

Hier hörte Aurèle Nicolet zum ersten Mal seinen späteren Kammermusikpartner und gleichaltrigen Freund Karl Richter.

O-Ton Aurèle Nicolet (geb. 1926)
Das erste, was ich von Karl Richter hörte, waren die Goldberg-Variationen. Ich kannte dieses Werk nicht, ich war aber in der Generalprobe und ich war sehr beeindruckt. Das war wie eine Art Vision von dem ganzen Werk. So hatte ich Bach noch nie gehört. Ich war auch im Konzert, und das wurde von den Bach-Spezialisten der damaligen Zeit, Carl Seemann und Edith Picht-Axenfeld, sehr kritisiert. Die standen im Konzert auf und sagten: „Das ist aber kein Bach!“ Doch ich fand das wunderbar, mich hat das zu tiefst berührt.

Rezension in der SZ
Bachwoche Ansbach 1955


In der Bachwoche Ansbach 1955 war Karl Richter, noch ohne seinen Bach-Chor, mit vier Konzerten vertreten. An zwei Abenden dirigierte er in der Johanniskirche Bachs Weihnachtsoratorium, als Chor waren die Wiener Sängerknaben verpflichtet worden.


Ebenfalls in der Johanniskirche gab Richter am 27. Juli ein Orgelkonzert mit Werken, die zuletzt auch in München immer wieder auf dem Programm gestanden hatten.

Und im Prunksaal des Markgrafenschlosses spielte Karl Richter zwei Tage später Bachs Konzerte für ein bis vier Cembali, zusammen mit Eduard Müller, dem Baseler Münsterorganisten, sowie den Berner Cembalisten Gerhard Aeschbacher und Heinrich Gurtner.

In dieser Besetzung wurden diese Konzerte auch auf Schallplatte eingespielt, das Orchester firmierte als „Solistengemeinschaft der Bachwoche Ansbach“. Es handelte sich vorwiegend um Instrumentalisten des auf Richter eingeschworenen Kammerorchesters, das sich weitgehend aus Solisten des Bayerischen Staatsorchesters, der Münchner Philharmoniker und des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks zusammensetzte.

Bachwoche Ansbach 1956



Autogramme von einigen der mitwirkenden Künstler

Adolf Scherbaum - Peter Pears - Horst Günter - Helmut Winschermann - Karl Richter - Friederike Sailer - Sieglinde Wagner - Franz Ortner - Oswald Uhl - Antonia Fahberg - Fritz Wunderlich
Erstmals trat in diesem Jahr der Münchener Bach-Chor bei der Bachwoche Ansbach auf und sang an fünf Abenden 14 geistliche und 2 weltliche Kantaten. Für alle Mitwirkenden in Chor und Orchester, für die Instrumental- und Vokalsolisten waren die Tage in Ansbach - von 1956-1964 - in höchstem Maße prägend, und das bis heute.
Folgende 16 Kantaten kamen in Ansbach 1956 zur Aufführung: Am 25. Juli in St. Gumbertus „Unser Mund sei voll Lachens“, "Jauchzet Gott in allen Landen“ mit Friederike Sailer als Sopran-Solistin und „Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm“.

Zwei Tage später dann „Du wahrer Gott und Davids Sohn“, „Ich habe genug“ mit Horst Günter als Bass-Solisten, und „Ich hatte viel Bekümmernis“.

Am 29. Juli folgten die Kantaten „Der Himmel lacht, die Erde jubilieret“, „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ und „Erschallet, ihr Lieder“.


Helmut Winschermann und Fritz Henker spielten, wie so oft, Oboe und Fagott im Orchester der Solistengemeinschaft der Bachwoche Ansbach.
In piam memoriam Thomaskantor Günther Ramin erklangen am 31. Juli, wiederum in St. Gumbertus, „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“, „Gott soll allein mein Herze haben“, „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ sowie die Kreuzstabkantate, erstmals mit dem jungen Dietrich Fischer-Dieskau.


In seinem Beitrag für unsere Buch-Dokumentation schreibt Fischer-Dieskau:
...Die Arbeit war ihm alles, und welchen Schwung und welch erobernde Nachschöpferkraft er dafür aufbrachte, das wurde mir erst allmählich deutlich. Bei der Erwähnung nur des geringsten musikalischen Details leuchteten seine Augen auf, und sein Interesse war geweckt. Und keiner wird den Ausdruck erfüllter Hingabe vergessen, den die von ihm interpretierte Musik auf sein Gesicht zauberte, auch noch lange nach der Aufführung...

Das Abschlusskonzert der Bachwoche 1956 dirigierte Werner Egk, mit dem Karl Richter ein freundschaftliches und von gegenseitiger Hochachtung geprägtes Verhältnis hatte, in der Orangerie im Schlosspark. Richter selbst spielte das Cembalo. Zur Aufführung gelangten die h-moll-Suite mit Aurèle Nicolet an der Querflöte sowie die weltlichen Kantaten „Auf, schmetternde Töne der muntern Trompeten“ und „Tönet, ihr Pauken, erschallet, Trompeten“.


Dietrich Fischer-Dieskau - Friederike Sailer - Sieglinde Wagner - Karl Richter - Werner Egk
Karl Richter war zudem Kammermusikpartner von Yehudi Menuhin und Aurèle Nicolet in den sechs Sonaten für Violine und obligates Cembalo sowie im Trio c-moll aus dem Musikalischen Opfer.


Yehudi Menuhin musizierte in einem eigenen Konzert zwei Solopartiten (d-moll und E-Dur) und die g-moll-Sonate. Ralph Kirkpatrick spielte an zwei Solo-Abenden alle sechs Englischen Suiten und je zwei Solosonaten und Suiten mit dem französischen Cellisten Pierre Fournier. Werner Egk schließlich leitete die Solistengemeinschaft der Bachwoche Ansbach in Bachs "Kunst der Fuge", am Cembalo waren Gerhard Aeschbacher und Heinrich Gurtner.


Karl Richter probt in der Augustana

Kantatenkonzert in St. Gumbertus
Bachwoche Ansbach 1957


Vorankündigung

Zusammen mit der Konzertvorschau wurde auch eine Preisliste für Unterkunftsmöglichkeiten in Ansbach verschickt.

Die Mitwirkenden der Bachwoche 1957


Karl Richter bestritt fünf der zwölf Konzerte der Bachwoche 1957 mit Chor und Orchester. Zur Aufführung kamen die beiden Passionen, die h-moll-Messe und an zwei Abenden die Brandenburgischen Konzerte sowie die beiden Violinkonzerte mit Yehudi Menuhin, der auch einen Soloabend spielte.
Am 24. Juli dirigierte Karl Richter Bachs Matthäus-Passion mit einem wahrlich hochkarätig besetzten Solisten-Ensemble. Peter Pears sang den Evangelisten, Horst Günter die Christus-Partie, Fritz Wunderlich, Kieth Engen, Friederike Sailer und Marga Höffgen waren für die Arien zuständig. Die Namen der Instrumentalsolisten bürgten für höchsten Standard der Bach-Interpretation. Den Cantus firmus übernahmen die Knaben des Leipziger Thomanerchors, der für diese Bachwoche mit seinem damaligen Leiter Kurt Thomas zu einem Motettenkonzert in der Johanniskirche eingeladen war.


Friedrike Sailer, Fritz Wunderlich und Kieth Engen
Im Kammerkonzert am 25. Juli waren zunächst das 5. Brandenburgische Konzert sowie das Violinkonzert a-moll zu hören mit Yehudi Menuhin, Aurèle Nicolet und Karl Richter als Solisten. Nach der Pause folgten das 6. Konzert in B-Dur und, wie immer, als Abschluss das 2. Konzert mit Adolf Scherbaum und Edgar Shann als weiteren Solisten.

Die restlichen drei Brandenburgischen Konzerte sowie das E-Dur Violinkonzert standen einige Tage später auf dem Programm, ebenfalls wieder in der Orangerie im Schloßpark.

An Bachs Todestag, dem 28. Juli, erklang in St. Johannis die Hohe Messe h-moll, mit denselben Vokal- Instrumentalsolisten wie auch an den anderen Tagen.

Den Abschluss der Bachwoche 1957 bildete Bachs Johannes-Passion. Wiederum sang Fritz Wunderlich die Tenorarien.


Karl Richter probt mit Fritz Wunderlich

Ralph Kirkpatrick spielte im Prunksaal des Markgrafenschlosses in zwei Konzerten die sechs Französische Suiten, alle 15 Inventionen und Sinfonien sowie 18 kleine Präludien.
Der Leipziger Thomaner-Chor unter der Leitung des Thomaskantors Kurt Thomas sang in der St. Johanniskirche die Motetten "Komm, Jesu, komm", "Jesu, meine Freude", und "Singet dem dem Herrn ein neues Lied". Thomasorganist Hannes Kästner spielte Präludium und Fuge e-moll und Toccata und Fuge F-Dur.
Yehudi Menuhin gab in der Orangerie im Schlosspark einen Soloabend mit den Sonaten in C-Dur
und a-moll sowie der Partita d-moll.
In einem Sonderkonzert musizierten der Tenor Peter Pears und der Lautenist Julian Bream Elisabethanische Lauten-Lieder und Gesänge aus dem Schemelli-Gesangbuch sowie aus Anna Magdalena Bach's Notenbuch.
Eine Solo-Matinee gab auch der Cellist Pierre Fournier in der Orangerie mit den Suiten in C-Dur, c-moll und D-Dur.
Schließlich erklang in der Orangerie im Schlosspark das Musikalische Opfer, ausgeführt vom Kammerorchester Wilhelm Stross.

Probe für die Johannes-Passion in St. Gumbertus
Bachwoche Ansbach 1959




















Karl Richter probt in der Augustana mit Ursula Buckel eine Kantaten-Arie

Kantaten-Konzert in St Gumbertus

Dr. Carl Weymar, Ursula Buckel, Otto Büchner und Karl Richter nach dem Konzert

Hertha Töpper und Kieth Engen mit zwei Bach-Choristinnen

Dr. Carl Weymar und Karl Richter

Dr. Carl Weymar und Pierre Fournier

Henryk Szeryng

Aurèle Nicolet probt Bachs h-moll-Suite

Ralph Kirkpatrick im Konzert

Pierre Fournier spielt Bachs Solosuiten

Pierre Fournier mit dem Ehepaar Weymar

Joseph Keilberth, Henryk Szeryng und Karl Richter

Edgar Shann und Aurèle Nicolet auf dem Weg zur Probe

Dr. Carl Weymar und Henryk Szeryng im Künstlerzimmer

Karl Richter probt mit Kieth Engen eine Bachkantate

Karl Richter und Hedwig Bilgram am Orgel-Continuo

Ekkehard Tietze am Orgelcontinuo

Der Thomanerchor Leipzig unter Kurt Thomas im Heilsbronner Münster

Der Leipziger Thomanerchor mit Kurt Thomas
Bachwoche Ansbach 1961







John van Kesteren, Tenor

Karl Richter mit Heinz Geisel, dem langjährigen Geschäftsführer des Münchener Bach-Chors



Karl Richter probt Bachs Cembalokonzert d-moll

Karl Richter und Otto Büchner in der Probe zum Orchesterkonzert am 27. Juli 1961

Probe zum Doppelkonzert d-moll mit Otto Büchner (Violine)

...und Edgar Shann (Oboe)

Otto Büchner und Aurèle Nicolet proben das Konzert a-moll für Flöte, Violine und Cembalo

Karl Richter, Aurèle Nicolet und Paul Meisen im Brandenburgischen Konzert Nr. 4 G-Dur







Karl Richte probt in St. Gumbertus für den Kantatenabend am 31. Juli 1961




Hertha Töpper, Kieth und Erika Engen als Zuhörer bei der Probe von Bachs h-moll-Messe

Ursula Buckel lauscht Otto Büchners Violinsolo "Laudamus te"


Autogramm von Kieth Engen

Ernst Haefliger auf dem Weg zur Gumbertuskirche
Bachwoche Ansbach 1963





Kantatenkonzert in St. Gumbertus

Drei der vier Gesangssolisten:
Ursula Buckel, Kieth Engen und Hertha Töpper
Aurèle Nicolet (Flöte) und George Malcom (Cembalo) spielten in der Matinee vom 25. Juli 1963 vier Sonaten von J. S. Bach.

Das Boccherini-Quintett interpretierte, wie schon zwei Jahre zuvor, in der Matinee vom 26. Juli 1963 die "Kunst der Fuge".
Fünf Solokantaten standen am gleichen Abend in der Gumbertuskirche auf dem Programm:
Schlage doch,gewünschte Stunde (BWV 53)
Bekennen will ich seinen Namen (BWV 200)
Ich habe genug (BWV 82)
Meine Seele rühmt und preist (BWV 189)
Mein Herze schwimmt in Blut (BWV 199)
mit Ursula Buckel, Hertha Töpper, Peter Pears, Kieth Engen und der Solistengemeinschaft der Bachwoche Ansbach. Die Leitung hatte Hanns-Martin Schneidt.


Probe zur Johannes-Passion in St. Gumbertus

Hermann Prey sang die Christus-Partie
Jörg Demus war am 28. Juli der Solist in der Orangerie, mit drei Klavierkonzerten und dem Italienischen Konzert von J. S. Bach.


Das Motettenkonzert in der St. Johanniskirche
Am Cembalo spielte Hanns-Martin Schneidt einen Tag später das Wohltemperierte Klavier, Teil I, und Tags darauf, wiederum in einer Matinee, Teil II.



Karl Richter probt mit Hertha Töpper in St. Gumbertus

Kieth Engen
Karl Heinz Ruppel würdigte die Konzerte der Bachwoche Ansbach 1963 in der SZ.










Bachwoche Ansbach 1964








Hilde Rössel-Majdan, Altistin der Bachwoche 1964


Aurèle Nicolet, Flöte


Ekkehard Tietze an der Continuo-Orgel



Motettenkonzert am Johannistag in der St. Johannis-Kirche



Der englische Tenor Peter Pears und der Münchner Bassist Kieth Engen






Aurèle Nicolet und Peter Pears

Peter Pears und Karl Richter


Ursula Buckel aus Genf, die Sopranistin der Bachwoche 1964

Ekkehard Tietze an der Continuo-Orgel
Joachim Kaiser würdigte die Konzerte der Bachwoche Ansbach 1964 in der SZ.






Zum (vorläufigen) Ende der Bachwoche Ansbach mit Dr. Carl Weymar und Karl Richter schrieb Joachim Kaiser in der SZ:


Alle Dokumente und Fotos sind den Bänden I-III der "Zeitdokumente" entnommen.
Die Zeitdokumente im Film
Zeitdokumente der Jahre 1951-1954
Es ist faszinierend, den Werdegang Karl Richters in München anhand der Zeitdokumente (Fotos, Programme, Zeitungsausschnitte, Kritiken, Filmausschnitte) zu verfolgen, zumal eine solche Entwicklung in der heutigen Zeit gar nicht mehr möglich wäre.
Wir beginnen mit Dokumenten der Jahre 1949-1951, die den damaligen Thomasorganisten Karl Richter betreffen.





Nur wenige Wochen, nachdem Karl Richter im Oktober 1951 als Nachfolger von Prof. Michael Schneider an St. Markus in München berufen worden war, gab er am 25. November mit dem "Heinrich-Schütz-Kreis ein erstes, anspruchsvolles Motettenkonzert.
Heinrich Schütz, "Das ist je gewißlich wahr"
J. S. Bach, Passacaglia c-moll
Johann Bach, "Unser Leben ist ein Schatten"
Joh. Christoph Bach, "Ich lasse dich nicht"
J. S. Bach , Orgelpartita "Sei gegrüßet, Jesu gütig"
J. S. Bach, Motette "Komm, Jesu, komm"

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Im April 1952 April richteten Dekan Dr. Theodor Heckel., Prof. Dr. Ludwig Held und Karl Richter die Münchener Abendmusiken in St. Markus ein, jeweils um 18.00 Uhr am letzten Freitag im Monat und bei freiem Eintritt. Die großen Orgelwerke von Frescobaldi, Buxtehude, Bach bis zu Max Reger und den zeitgenössischen Orgelmeistern sollten ebenso zu hören sein wie die geistlichen Chormusiken von Schütz, Bach, Brahms und Reger bis zu den Großen der Neuen Musik. Orgelspiel und Motette bildeten den Rahmen für die Lesung des Schriftwortes und den Segen.

Dr. Theodor Heckel, Dekan von St. Markus und Stadtdekan von München (1950 - 1964)

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Die ersten vier Abendmusiken beinhalten ein sehr
anspruchsvolles Programm und belegen eindrucksvoll, welche Probenarbeit Karl Richter schon zu Beginn seiner Münchner Ära dem Chor abverlangt hat.




Gleichzeitig mit der Erarbeitung der Motetten-Literatur für die neu eingerichteten Abendmusiken studierte Karl Richter mit dem Heinrich-Schütz-Chor in seinem ersten Münchner Jahr auch drei der bedeutendsten Werke J. S. Bachs ein.

Die Hohe Messe h-moll erklang erstmals unter Richter im Februar 1952.

Die Johannes-Passion folgte am Mittwoch in der Karwoche.

Der erste Teil des Weihnachtsoratiums (Kantaten I - III) beendete im Dezember ein arbeitsintensives Chorjahr 1952.

In den sieben Abendmusiken an St. Markus, München, des Jahres 1952 spielte Karl Richter neben Orgelmusik von Pachelbel, Buxtehude und Bruhns folgende Werke von J. S. Bach und Max Reger:
J. S. Bach
Toccata und Fuge F-Dur
Präludium und Fuge Es-Dur
Präludium und Fuge e-moll
Partita „Sei gegrüßet. Jesu gütig"
Toccata und Fuge in d (dorisch)
Toccata und Fuge d-moll
Passacaglia und Fuge c-moll
Max Reger
Introduktion und Passacaglia d-moll
Introduktion und Passacaglia f-moll
Fantasie und Fuge über B-A-C-H

Zusätzlich gab er noch drei große Orgelkonzerte an der Steinmeyer-Orgel im Mai, Juli und September. Über das ganze Jahr gesehen, waren also in der Markuskirche fast alle bedeutenden Orgelwerke von Bach, Reger und den Altmeistern vor Bach zu hören.


Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das jeweilige Konzertprogramm!
Schließlich standen vier Konzerte mit Instrumentalmusik auf den Programmen von Karl Richters erstem Münchner Jahr. So musizierte er u. a. Bachs Brandenburgische Konzerte Nr. 2, 3, 4 und 5, die h-moll-Suite, Kammermusik von Bach und anderen Alten Meistern sowie solistisch am Cembalo die Chromatische Fanatsie und Fuge und die Goldberg-Variationen.
Leider ist der Programmzettel des ersten Konzertes vom 30. April 1952 nicht vorhanden, dafür aber eine Rezension.





Das Jahr 1953
Das Jahr 1953 begann für Karl Richter ebenso arbeitsintensiv, wie 1952 geendet hatte. Am 9. Januar spielte Richter anlässlich des 80. Geburtstages seines Lehrers Karl Straube in der Markuskirche ein Orgelkonzert mit Werken J. S. Bachs.
Die kurze, aber überschwängliche Kritik können Sie hier vergrößern!
Die erste Abendmusik des neuen Jahres brachte am 30. Januar Chorwerke von Samuel Scheidt, Heinrich Schütz und Hans Leo Hassler. Landeskirchenmusikdirektor Prof. Friedrich Högner spielte Bachs Präludium und Fuge c-moll.

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In der zweiten Abendmusik des Jahres 1953 standen am 27. Februar - wiederum bei freiem Eintritt - zwei Kantaten von J. S. Bach auf dem Programm: „Herr Jesu Christ, wahr Mensch und Gott" BWV 127 und „Meinen Jesum laß ich nicht" BWV 124. Unter den Vokalsolisten waren der heute noch lebende, 94-jährige Franz Kelch sowie Margitta Harzer, Stimmbildnerin des Bach-Chores und spätere Hochschulprofessorin in München.

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Am 7. und 8. März musizierten Karl Richter und seine Instrumentalsolisten in der Aula der Universität alle sechs Brandenburgischen Konzerte sowie das Cembalokonzert d-moll und das Violinkonzert E-Dur.

Unter den Solisten findet man eine Reihe von Namen, die über Jahre, z.T. Jahrzehnte hinweg das Bach-Orchester mitgeprägt haben: Fritz Sonnleitner als Konzertmeister, Valentin Härtl an der Viola, Oswald Uhl und Fritz Kiskalt am Violoncello, die Flötisten Walther Theurer und Herbert Segl. Karl Schumann schrieb in der SZ über die beiden Konzerte.
Am Palmsonntag des Jahres, dem 29. März, lud der „Chorverein für Evangelische Kirchenmusik" zur Aufführung von Bachs Johannes-Passion in die Markuskirche. Karl Richters bewährte Sänger und Instrumentalisten hinterließen einen überzeugenden Eindruck, wie die Kritiken der Münchner Zeitungen dokumentieren.

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Anlässlich des 80. Geburtstages von Max Reger veranstaltete der Stadtrat München (man stelle sich das heute vor!!) zusammen mit dem Bach-Verein im März 1953 eine Konzertstunde im Saal an der Sophienstraße. Karl Richter spielte zu Beginn an der Orgel Regers Introduction und Passacaglia c-moll. Zum Abschluss sang der Heinrich-Schütz-Kreis zwei Gesänge für gemischten Chor aus op. 138.

An zwei Abenden im April 1953 spielte Karl Richter zusammen mit Tibor Varga, wiederum im Saal an der Sophienstraße, die sechs Sonaten für Violine und obligates Cembalo von Johann Sebastian Bach.

Nur einen Tag danach, am 24. April 1953, stand wiederum eine Abendmusik in der Markuskirche an.

Das Programm beinhaltete Chor-und Orgelwerke von Francesco Durante und Johann Sebastian Bach.

Die Abendmusik im Mai 1953 enthielt neben Bachs Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 Ausschnitte aus der Pfingstkantate BWV 68 "Also hat Gott die Welt geliebt": Eingangs- und Schlusschor sowie die Sopran-Arie "Mein gläubiges Herze".

Im Juni 1953 stand zum zweiten Mal nach 1952 die h-moll-Messe auf dem Programm. An diesem Abend gab die bis in die 1990er Jahre gefeierte Sopranistin Agnes Giebel ihr Debut bei Karl Richter. Fotos und weitere biographische Daten hier...
Die Kritik nannte die Aufführung eine hervorragende Darbietung und "Bach, wie er sein soll".

Die Abendmusik des Monat Juni schließlich brachte u. a. Bachs doppelchörige Motette "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf" zu Gehör.


Im Juli 1953 hatte Karl Richter an dem seit 1951 alle zwei Jahre stattfindenden Orgel-Improvisations-Wettbewerb in der St. Bavo Kirche der niederländischen Stadt Haarlem teilgenommen und war bis in die Endausscheidung der besten drei gekommen. Von diesem Finaldurchgang gibt es den Mitschnitt einer dreisätzigen Improvisation von Karl Richter.

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Das gesamte Werk mit einer Spieldauer von 15:40 Minuten können Sie hier hören. Dieser frühere Blogeintrag enthält auch weitere Informationen über Kirche und Orgel von St. Bavo.


Nur zehn Tage nach der Rückkehr vom Orgelwettbewerb im niederländischen Haarlem gab Karl Richter am 28. Juli in der Markuskirche ein Orgelkonzert (Programm) anlässlich von Bachs Todestag. In der Schwäbischen Landeszeitung konnte man diese Rezension lesen.
Wiederum drei Tage später, am 31. Juli, stand eine Abendmusik in der Markuskirche auf dem Programm, mit Chor- und Orgelwerken von Anton Bruckner und Max Reger.

Im September 1953 lud der Münchner Bach-Verein e.V. zur ersten Abendmusik der neuen Konzertsaison ein. Zusammen mit dem Münchner Kirchenorchester und zwei Vokalsolisten musizierten Karl Richter und sein Heinrich-Schütz-Kreis ein Orgelkonzert von G. F. Händel, die Bach-Kantate BWV 78 Jesu, der du meine Seele und die Bach-Motette Komm, Jesu, komm.

Karl Richter in seinem berühmten "Staubmantel"
Am 18. Oktober 1953 traten Karl Richter und sein Heinrich-Schütz-Kreis zum ersten Mal außerhalb der Stadtgrenzen Münchens auf. Abt Hugo Lang vom Kloster Andechs hatte zu einer
musikalischen Feierstunde am Nachmittag des Kirchweihsonntags in die Klosterkirche geladen.


Fünf Motetten von Anton Bruckner standen auf dem Programm des Kirchenkonzerts:
Locus iste
Christus factus est
Os justi
Virga Jesse floruit
Ave Maria
Karl Richter spielte an der damaligen Orgel eine freie Improvisation.

Über dieses Konzert war im Münchner Merkur vom 20. Oktober 1953 zu lesen ....


Im November 1953 veranstaltete der Münchner Bach-Verein e.V. anlässlich seines 35-jährigen Bestehens zum ersten Mal die Münchener Bach-Tage und begründete damit eine Tradition, die in den folgenden Jahrzehnten, vor allem ab 1965 als Münchener Bach-Fest, zu einem wesentlichen Bestandteil des Münchner Kulturlebens wurde.

In der Konzertreihe vom November 1953 musizierte Karl Richter in sechs Konzerten die ganze Bannbreite der Bach-Interpretation, die sich in den beiden Jahren seines Wirkens an St. Markus entwickelt hatte. Zur Aufführung gelangten u.a. die h-moll-Messe (Programm) , die Goldberg-Variationen (Programm) und Instrumentalwerke Programm).

Begeisternde Kritiken waren u.a. zu lesen in der Münchner Kirchenzeitung und im Münchner Merkur.

Den Abschluss der Bach-Tage bildete ein Kammerkonzert mit der D-Dur-Ouvertüre, drei Instrumentalkonzerten und dem 5. Brandenburgischen Konzert. Die Besetzungliste der Instrumentalsolisten enthält bereits zahreiche Namen, die zum Teil bis in die 1970er Jahre hinein zum festen Stamm des späteren Bach-Orchesters gehörten.

Karl Schumann brachte, wie Richter später einmal bemerkte, mit seiner Rezension in der Süddeutschen Zeitung den endgültigen Durchbruch in München und von da an auch über die Grenzen der Stadt hinaus.

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In den Tagen vom 26. - 29. November 1953 versammelte sich der Heinrich-Schütz-Kreis unter der Leitung von Karl Richter im Herkulessaal der Münchner Residenz zur ersten Schallplattenaufnahme bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Auf dem Programm standen die MUSIKALISCHEN EXEQUIEN von Heinrich Schütz.
Als Solisten wirkten mit:
Elisabeth Lindermeier und Anneliese Seitz, Sopran
Ruth Michaelis, Alt
Friedrich Brückner-Rüggeberg, Tenor
Rudolf Gantner, Brian Hanson und Max Proebstl, Bass
Oswald Uhl, Viola da Gamba
Franz Ortner, Kontrabass
Heinrich Wiesmeier, Orgel.
Eingebettet in die Aufnahmesitzungen war die Abendmusik vom 27. November in der Markuskirche.

Die Kantaten 1-3 von Bachs Weihnachtsoratorium am 15. und 18. Dezember sahen wiederum eine überfüllte Markuskirche.

Die Kritik war voll des Lobes (Süddeutsche Zeitung - Münchner Merkur).


Das Weihnachtsliedersingen am 20. Dezember rundete ein arbeitsreiches und erfolgreiches Jahr 1953 ab.


Das Jahr 1954

Die erste Abendmusik des Jahres 1954 eröffnete Karl Richter mit Bachs Fantasie in G-Dur. Der Heinrich-Schütz-Kreis sang das „Deutsche Magnificat" von Heinrich Schütz und zwei der bekanntesten weihnachtlichen Motetten von Johann Eccard.

In der zweiten Abendmusik des Jahres 1954 trat der Chor erstmals als „Münchener Bach-Chor" auf und sang am 26. Februar in der Markuskirche die doppelchörige Motette „Ich lasse dich nicht" von Johann Christoph Bach und das achtstimmige „Pater Noster" von Hans Leo Haßler.

Zum ersten Mal erklang Bachs Matthäus-Passion nach dem zweiten Weltkrieg in einer Münchner Kirche. Karl Richter hatte für die Aufführung am 1. April die weitaus größere Lukaskirche gewählt.

Hier stand nun auch erstmals „Münchener Bach-Chor" auf den Plakaten, das Kirchenorchester war bereits 1953 in Kammerorchester Karl Richter umbenannt worden. Karl Richter hatte für seine Matthäus-Passion (Programm) namhafte Solisten aufgeboten: Anneliese Kupper, Lilian Benningsen, Karl Schmitt-Walter und Max Proebstl. Den Evangelisten sang - wieder einmal - der Leipziger Tenor Gert Lutze.
Dr. Gau schrieb in seiner Kritik im Münchner Merkur:

10 Tage nach der Matthäus-Passion folgte am Palmsonntag in der Markuskirche Bachs Johannes-Passion.

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In der Süddeutschen Zeitung konnte man diese Rezension lesen.

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Am 30 April fand wieder eine Abendmusik statt, Hauptwerk war Bachs fünfstimmige Motette „Jesu, meine Freude". Karl Richter spielte zu Beginn ein Orgelwerk des 1907 in Bamberg geborenen Komponisten Karl Höller, der in diesem Jahr 1954 zum Präsidenten der Münchner Musikhochschule berufen wurde und das Amt bis 1972 ausübte.

In den Jahren 1951-1953 wurde der Herkulessal der im Krieg zerstörten Münchner Residenz neu errichtet. Karl Richter musizierte am 11. und 12. Mai 1954 im Neuen Herkulessal Orchesterwerke von J. S. Bach, fünf der sechs Brandenburgischen Konzerte, die D-Dur-Ouvertüre, das Cembalokonzert d-moll und das Violinkonzert E-Dur mit Florian Sonnleitner als Solisten. Programm hier...
Der „Brandenburger" Karl Richter überschrieb die SZ ihre Rezension.

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In der Abendmusik vom 30. Mai standen Bachs Toccata und Fuge F-Dur sowie die doppelchörige Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied" auf dem Programm.

Nur wenige Tage später, am 1. Juni, gab Karl Richter in der Markuskirche ein Orgelkonzert.

Am 19. Juni 1954 gelangte in der Lukaskirche die Hohe Messe h-moll zur Aufführung. Die Vokalsolisten waren Anneliese Kupper, Ruth Michaelis, Heinz Marten und Frank Kelch.

Und am 23. Juni gastierte Karl Richter in der Jakobikirche im niederländischen Utrecht. Er spielte das gleiche Bach-Programm wie zuvor in München.

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Am letzten Freitag im Juni 1954 stand in der Markuskirche wieder ein Abendmusik an. Karl Richter spielte zunächst Bachs Passacaglia c-moll, sodann kamen Eingangs- und Schlusschor der Kantate BWV 8 „Liebster Gott, wann werd ich sterben" zur Aufführung, dazu noch die Bass-Arie „Doch weichet, ihr tollen, vergeblichen Sorgen", mit Max Proebstl als Solisten. Im zweiten Teil der Abendmusik sang der Münchener Bach-Chor Teil zwei und drei der Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz.
Die „Münchner Abendmusiken" feierten im Oktober 1954 ein kleines Jubiläum. Zum 25. Mal brachten Richter und sein Chor bei freiem Eintritt und damit vor einem stets großen Zuhörerkreis die bedeutendsten a cappella-Werke der Chorliteratur zu Gehör.

Hatten Bach-Kantaten - zumeist in Ausschnitten - bereits gelegentlich Eingang in die Abendmusiken gefunden, sollte dieser Zyklus nun seine Ergänzung in einem zweiten, der „Bach-Kantate" finden, wobei zunächst jeweils zwei Kantaten eine Motette umrahmten.

Der erste Bach-Abend am 11. Juli 1954 enthielt die Kantaten „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" und „Gott, der Herr, ist Sonn und Schild" sowie die Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied".
In der SZ war zu dieser Premiere zu lesen...

Die Bachwoche Ansbach sollte in den kommenden 10 Jahren einen gänzlich neuen Akzent im künstlerischen Werdegang Karl Richters setzen.


Dr. Carl Weymar, Kunsthändler aus München und selbst ein hervorragender Bratscher, hatte 1947 diese Bachwoche ins Leben gerufen und bis 1965 geleitet.


Auf dem Foto sieht man Karl Richter mit Herrn und Frau Weymar sowie Rudolf Hetzer, der ab 1966 für die Bachwoche verantwortlich zeichnete.
Die namhaftesten Künstler aus aller Welt waren zu Gast in Ansbach, das Programmheft führt fein säuberlichallw Mitwirkenden auf.



Yehudi Menuhin mit Karl Richter an der Orgel der Johanniskirche

Otto Büchner, Violine


Aurèle Nicolet


Edgar Shann, Oboe

Helmut Winschermann, Oboe, und Fritz Henker, Fagott


Und in der Matinee vom 31. Juli standen im Prunksaal des Markgrafenschlosses die Goldberg - Variationen auf dem Programm.

Hier hörte Aurèle Nicolet zum ersten Mal seinen späteren Kammermusikpartner und gleichaltrigen Freund Karl Richter.
Die Süddeutsche Zeitung schrieb über dieses Konzert u.a.:

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Nach der Sommerpause stand am 12. September zum zweiten Mal ein Bach-Kantaten-Abend an. Die Motette „Jesu, meine Freude“ wurde von den Kantaten „Jesu, der du meine Seele“ und „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ eingerahmt. Auffallend ist, dass der neue Name des Chores häufig nicht korrekt wiedergegeben wurde, selbst auf den in eigener Verantwortung des Bach-Chores erstellten Plakaten und Programmzetteln.

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Im Münchner Merkur war zu diesem Konzert zu lesen.

Die monatliche Abendmusik am 24. September enthielt Chor- und Orgelwerke, die man bereits zum Repertoire zählen konnte, und die Karl Richter auch in späteren Jahren immer wieder aufs Programm setzte, wie auch die Brahms-Motette „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen“.

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Die dritte „Bach-Kantate“ des Jahres am 10. Oktober brachte die Kantaten „Ich habe genug“ und „Wachet, betet, seit bereit“, Karl Richter spielte zwischen den beiden Kantaten Präludium und Fuge D-Dur, ein hoch virtuoses Orgelwerk, das er nicht so oft in sein Programm aufnahm.

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Der vorgesehene Bassist für die Solokantate „Es ist genug“, Hermann Schey aus Amsterdam, den Richter in Ansbach kennengelernt hatte, war erkrankt, für ihn sprang kurzfristig Franz Kelch ein. Sehr lebhaft erinnert sich der 93jährige noch heute an den Anruf von Karl Richter um 18.30 Uhr, nur 90 Minuten vor Konzertbeginn in der Markuskirche.
"Wir waren so gut aufeinander eingespielt, dass ich sogar einmal kurzerhand einsprang, um die bekannt schwierige Solo-Kantate BWV 82 „Ich habe genug“ ohne Orchesterprobe zu übernehmen. Der holländische Bassist Hermann Schey, ein damals etwa 65 Jahre alter, sehr geschätzter Konzertsänger, hatte erst am Nachmittag des Aufführungstages abgesagt. Richter rief mich an, und wir vereinbarten eine Verständigungsprobe am Klavier im Pfarrsaal der Markuskirche, eine halbe Stunde vor der Aufführung, sprachen uns nur flüchtig über die Tempi und die Besonderheiten in den Rezitativen ab – und die Aufführung gelang bestens."
Auch die beiden Chorwerke der Abendmusik vom 22. Oktober zählten schon länger zum Repertoire das Bach-Chores, die Fest- und Gedenksprüche von Johannes Brahms und die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz.

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Auch 1954 sollten die Bach-Tage vom 6.-14. November der musikalische Höhepunkt des Jahres werden. Karl Richter hatte hierzu Künstler und Ensembles eingeladen, die zur damaligen Zeit den Standart der Bach-Interpretation darstellten. Zwei Konzerte steuerte Richter selbst zusammen mit seinem Bach-Chor bei, die geplante h-moll-Messe kam nicht zur Aufführung. Die Ankündigung in der Süddeutschen Zeitung verprach dennoch ein Kunsterlebnis der besonderen Art.


Am 11. November brachten Karl Richter, sein Bach-Chor sowie die renommierten Vokal- und Instrumentalsolisten in der Lukaskirche zwei Kantaten von Johann Sebastian Bach zu Gehör: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ und „Ich hatte viel Bekümmernis".
Tags darauf musizierten Richter und sein Kammerorchester die Brandenburgischen Konzerte Nr. 5 und 6 sowie die D-Dur-Ouvertüre. Agnes Giebel war die Solistin in der Hochzeitskantate „Weichet nur, betrübte Schatten“. Erstmals saß Otto Büchner als Konzertmeister am ersten Pult des zukünftigen Bach-Orchesters.

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Die Besetzungsliste des Kammerorchesters nennt viele Namen, die immer wieder und über Jahre hinweg mit Karl Richter musiziert haben.

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Zu diesem Konzert schrieb die SZ u.a.:

Zum Abschluss der Bach-Tage gastierte am 14. November der Dresdner Kreuzchor in der Lukaskirche.

Hier gab es ein Wiedersehen mit Rudolf Mauersberger, der den jungen Richter entscheidend mitgeprägt hat.

Rudolf Mauersberger
In dem Kantatenkonzert vom 21. November erklang erstmals Bachs Kreuzstabkantate, gesungen von Horst Günther aus Leipzig. Zudem dirigierte Karl Richter die Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, die er von allen Kantaten Bachs am häufigsten in sein Programm aufnehmen sollte.

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Die letzte Abendmusik des Jahres zum Totensonntag enthielt wiederum Chorwerke, die Richter bereits mehrfach musiziert hatte. Auffallend ist, dass ihn die Todes-Thematik offensichtlich von Anfang an durch sein recht kurzes Leben begleitet hat.

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Am zweiten Adventssonntag lud die Christi-Himmelfahrtsgemeinde Karl Richter und seinen Bach-Chor zu einem festlichen Konzert nach Freising ein, das im Münchner Merkur angekündigt wurde. Das Programm umfasste die beiden Motetten „Singet dem Herrn ein neues Lied“ und „Jesu, meine Freude“, Karl Richter spielte zwei der großen Orgelwerke Bachs.


Die beiden Kritiken im Münchner Merkur und im Freisinger Tagblatt spiegeln das außergewöhnliche musikalische Ereignis wider.

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Im Gottesdienst zur Eröffnung des Bayerischen Landtags am 13. Dezember sang der Münchener Bach-Chor die Fest- und Gedenksprüche von Johannes Brahms.
Der letzte Höhepunkt des Jahres war die Aufführung der Kantaten 1-3 aus Bachs Weihnachtsoratorium, wiederum an zwei Abenden in der Markuskirche. Ein Konzert der ganz besonderen Art vor allem auch deshalb, weil an diesem Abend die in Graz geborene Altistin Hertha Töpper ihr Debüt bei Karl Richter gab. Von da an war die Alt-Partie in Richter-Konzerten für fast zwei Jahrzehnte zumeist mit dieser Ausnahmesängerin besetzt.

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Die Kritiken in der SZ und in der Abendzeitung lassen erahnen, welche Wertschätzung das Münchner Konzertpublikum inzwischen Karl Richter und seinen Musikern entgegenbrachte.


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